TiddlyWiki für Autor*innen

21.03.2019 | Bereich: Artikel
Web Development

Bild: Web Development © bei Tumisu | Lizenz: CC0

Gibt es nicht genug Software für Autor*innen und ist so ein Wiki nicht viel zu kompliziert? Auf beides kann ich nur antworten: Keine Ahnung.

Das Angebot an spezialisierter Software ist sicher dünn, aber deckt grundsätzlich weitreichende Anforderungen ab. Zudem lassen sich natürlich allgemein gehaltene Programme zum Schreiben verwenden. Letztlich reicht der einfachste Text-Editor, weil im Grunde für das Erzählen einer Geschichte simpler Text genügt, denn am Ende kommt eben dies heraus: schlichter Text.

Die Funktionalitäten erweiterter Programme dienen Autor*innen als Werkzeuge. Sie sind Hilfsmittel, um den gesamten Prozess zu unterstützen. Wer auf diesem Gebiet tätig ist, weiß, dass die begleitenden Arbeiten meist mehr Zeit in Anspruch nehmen und mehr Aufwand erfordern, als das Schreiben selbst. Für diese Aufgaben sinnvolles Instrumentarium zur Verfügung haben, erleichtert den kompletten Ablauf ungemein.

Schreiben ist ein Handwerk und gelingt mit geeignetem Werkzeug besser.

Doch was ist nun das oder ein geeignetes Werkzeug? Papyrus aus deutscher Schmiede zum Beispiel? Immerhin kostet es 180 Euro, da muss es doch nahezu perfekt sein, oder? Wie häufig, lässt sich das nicht pauschal beantworten und bestätigen schon gar nicht. Keine Frage, Papyrus ist mächtig. Aber für mich hat das nie gepasst. Regelmäßig machte es mich wütend und ich werde sehr, sehr schwer wütend. Scrivener kaufte ich sogar und fragte mich irgendwann, was es so beliebt macht. Mir war es schlicht unmöglich dies nachvollziehen. Grausame Software.

Ersichtlich ist, dass individuelles Arbeiten nicht pauschal abgedeckt werden kann. In der Regel ist der Einsatz spezieller Software ein dauerhafter Kompromiss. Stets kratzt im Hinterkopf eine gewisse Unzufriedenheit. Man drängt sie beiseite, weil man nicht bereit ist, sich damit zu beschäftigen. Obwohl es Kraft und Konzentration raubt, zuckt man mit den Schultern und arrangiert sich mit den Mängeln. Unbewusste negative Auswirkungen werden ignoriert.

Hier schlägt nun die Stunde von TiddlyWiki.

Ich hatte mich damit abgefunden mit einfachen Text-Editoren und Verzeichnisstrukturen zu arbeiten. Das bot die größte Flexibilität und Kompatibilität. Muster und erste Vorlagen waren erstellt, als mir TiddlyWiki über den Weg lief. Mit diesen Systemen hatte ich mich zwar ab und an mal beschäftigt, aber keine haltbare Verbindung herstellen können. Warum sich das diesmal änderte, kann ich nicht genau erklären. Ich bin mir nicht sicher, ob mir TiddlyWiki im Speziellen bereits früher begegnet ist, denn es existieren derlei einige auf dem Markt. Wie dem auch sei, hatte es mich schnell in seinen Bann gezogen.

Ob ich besondere oder anders gelagerte Ansprüche stelle, als die Mehrheit, will ich nicht beurteilen. Ich mag mich nicht gerne den Vorstellungen anderer anpassen und unterwerfen erst Recht nicht. Fertige Programme machen aber genau das: sie pressen mich in Denkstrukturen und Arbeitsweisen anderer. Ja, ich weiß, so ist das nun mal mit Software. Kann man nicht alles komplett selber programmieren, muss man akzeptieren, was einem aufgetischt wird. Wirklich? Warum?

Mit der Vielfalt und Logik einer viele MB umfassenden Software, vermag die winzige Wiki-Datei augenscheinlich nicht mithalten. Nach meinen ersten Wochen würde ich diese Aussage allerdings nicht mehr unterschreiben. Zweifellos ist alles anders, aber Papyrus und Scrivener gleichen sich auch lediglich in ihrem Zweck. Und wenn der Zweck die Mittel heiligt, dann sticht das Wiki mit einer Fähigkeit heraus, die sonst überall fehlt: die Gestaltung des Werkzeugs nach den jeweiligen und eigenen Anforderungen. Damit erklärt sich meine Antwort auf die Eingangsfrage. Es steht mir nicht zu für andere zu sprechen. Jede*r sollte seine eigene Entscheidung fällen, die umso richtiger ausfällt, je mehr Wissen über Alternativen vorliegt.

Daher halte ich TiddlyWiki nicht für jeden, aber für mehr, als sie selber denken, für eine ideale Umgebung zum Erschaffen jedweder textbasierter Kreativität.

TiddlyWiki richte ich seinen eigenen Bereich ein, den ich nach und nach ausbaue. Dort finden sich dann Anleitungen, Vorlagen, Tipps und Tricks. Eine genaue Vorstellung habe ich nicht und lasse mich überraschen. Es ist anzunehmen, dass dort zu Beginn eine fluide Gestaltung stattfindet.

Mein Anliegen ist, ein leistungsfähiges Werkzeug zu präsentieren, das Interesse an dieser Technik zu wecken und hoch zu halten und für die Verbreitung von TiddlyWiki im Speziellen zu sorgen.

Schau vorbei, vielleicht eröffnet sich auch für dich eine neue Welt 🙂


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