Werkstatt

Ach Herrje … Vielleicht hast du schon mal neugierig spioniert und einen Tiddler in den Bearbeitungsmodus geschaltet. Was im Lesemodus wirklich gut aussieht, entpuppt sich unter der Haube als ziemlich trockene Textwüste, die zudem mit zahlreichen Zeichen gespickt ist. Das wirkt weder einladend, noch motivierend? Tja, was soll ich groß drumherum reden; hätte ich gleich am Anfang den Teufel an die Wand malen sollen? Sooo schlimm ist das doch nun wirklich nicht. Aber egal, es ist, wie es ist und mir macht die Arbeit damit viel Spaß. Mir gefallen nicht nur die Ergebnisse, sondern auch die Handhabung bzw. das Konzept mit seinen Möglichkeiten insgesamt. Deswegen mache ich jetzt einfach weiter.

Wechselst du in den Bearbeitungsmodus, ist stets der Titel zum Bearbeiten markiert. Bei komplett neuen, jungfräulichen Tiddlern ist das sicher hilfreich, bei bestehenden oder über leere Links anzulegende, mag es hinderlich sein, lässt sich aber nicht ändern. Da der Titel für die Verlinkung innerhalb des Wikis zuständig ist, kann jede Änderung ungeahnte Folgen nach sich ziehen – die dann in der Regel eher unerfreulicher Natur sein dürften.

Möchtest du einen Artikel oder Kapitel Letztes Jahr im Sommercamp in Italien nennen, ist das auch exakt der Link, wie du ihn an allen erforderlichen Stellen setzen musst. Ja, ziemlich lang und umständlich – was glaubst du wohl, weshalb sich derartige Bandwürmer in der Anleitung nur als seltene Beispiele finden …

Nun mal ans Eingemachte.

Oben links noch über dem Titel steht Draft of ‚Titel‘ als Hinweis auf den Entwurf-Modus. Soll wohl nur den freien Platz füllen, der sich durch die oben rechts befindlichen Symbole ergibt.

Löschen ist schon von eben bekannt und löscht den Tiddler. Ja, unwiederbringlich und ohne Warnung!

Abbrechen bricht die Bearbeitung ab und verwirft alle Änderungen seit dem letzten Speichern. Vorher ploppt aber ein kleines Warnfenster auf, so dass unbeabsichtigte Klicks nicht gleich bestraft werden.

Erledigt speichert den aktuellen Entwurf und damit alle getätigten Veränderungen bzw. Bearbeitungen und wechselt in den Ansichtsmodus. Nicht umsonst sieht die Grafik aus, als sei etwas abgehakt. Im Englischen heißt das Symbol done, also erledigt. Die Tastenkombination STRG+Enter macht das gleiche.

Wie schon im Erst Kontakt erwähnt, speichert das Speichern in der rechten Seitenleiste ebenfalls, belässt den Tiddler aber im Bearbeitungsmodus. Da du aber außerhalb dieses Arbeitsfensters geklickt hast, befindet es sich nicht mehr im Fokus. Das heißt, hier blinkt kein Cursor mehr und um weiterzuarbeiten, musst du erst wieder hinein klicken.

Unter dem Titel lassen sich Tags (Stichworte) definieren. Das Konzept dahinter ist dir bekannt? Gut, dann kann ich mir Erklärungen ja sparen.

Okay okay, ich will mal nicht so sein.

Tag Beispiele aus TiddlyWiki

Mit Tags kannst du einerseits eine gezielte Navigation abseits der vorgegebenen Linkstruktur etablieren, andererseits Filter- bzw. Selektierungsmöglichkeiten schaffen. Ich gestehe aber, dass ich sie in meinen Blogs zuhauf einsetze, hier bzw. in Buchprojekten (noch) keine sinnvolle Verwendung entdeckt habe – außer für die Erstellung des Inhaltsverzeichnis, was damit aber eher nicht gemeint war. Klaus und Spanien dienen der Demonstration ihrer Darstellung.

Wenn du von anderen Programmen das Setzen von Tags kennst, dann wirst du dich hier etwas umgewöhnen müssen. Woanders lassen sich meist mehrere Stichworte auf einmal eingeben, die nur durch ein Komma getrennt sind. Die jeweilige Software trennt diese dann in einzelne Tags auf. Hier klappt das nicht so. Vielmehr sieht es dann wie im Beispiel oben aus: Nicht zwei, sondern eins

Falls du es auch schon versuchst hast und dich wunderst, warum meine so schön farbig sind, kommt hier die Auflösung. In der rechten Seitenleiste wechsle auf den Reiter Mehr und aktiviere dort den Reiter Tags. Unschwer zu erkennen, werden hier alle vorhandenen Tags aufgelistet (die alphabetische Ordnung ist nur mit tiefen Operationen an Systemkomponenten änderbar, worauf ich verzichte). Beim Klick auf den Button Tag-Manager nicht erschrecken, denn es öffnet sich hier im Story-Bereich der zugehörige Tiddler. Neben der Farbe lässt sich eins der vorhandenen Systemsymbole zuordnen und die Häufigkeit der Verwendung wird angezeigt. Ein Klick auf ein Tag öffnet eine Liste mit allen Tiddlern, in denen es vorkommt.

Als nächstes folgen zwei Reihen mit allerlei Symbolen. Hiermit lässt sich der Text formatieren, strukturieren, manipulieren und Bilder einfügen. Das meiste davon kann auch mit einer Tastenkombination umgesetzt werden. Dieser Bereich lässt sich in den Einstellungen komplett ausblenden und schafft mehr Platz. Allerdings funktionieren dann die Tastenkombinationen nicht mehr.

Verschiedene Überschriftsgrößen, (un)geordnete Aufzählungen usw. usf. erkundest du sicher auch ohne meine Hilfe. Zu den Farbspielereien komme ich im Fortgeschrittenen-Tiddler.

Ich möchte zwei Funktionen näher erläutern. Ist die Symbolleiste im Blickfeld, siehst du beim Drücken von ALT+S, wie sich ein Menü geöffnet und das zugehörige Symbol Stempel blau gefärbt hat. Die Funktion nennt sich Stempel und ist eine Ablage für häufig benötigte Textbausteine. Das Angebot Eigenen Stempel erstellen erzeugt einen neuen Tiddler, dem du einen bezeichnenden Titel verpasst und mit dem gewünschten Inhalt befüllst. Nach dem Speichern steht der Baustein dann in dem Menü zur Verfügung.

Die nächste Funktion gefällt dir hoffentlich genauso gut wie mir und versöhnt für die erwähnte Textwüste.

Ist dir ganz oben rechts im Browser-Fenster schon der Doppelpfeil Doppelpfeil nach rechts aufgefallen? Auch schon ausprobiert? Richtig, die rechte Seitenleiste wird ausgeblendet und der Story-Bereich dehnt sich auf fast die gesamte Bildschirmbreite aus. Ich habe dem Wiki eine Tastenkombination hinzugefügt, um diesen Vorgang bequemer zu gestalten: ALT+Shift+E

Jetzt versetze diesen Tiddler in den Bearbeitungsmodus und klicke dann auf das geschlossene Auge Vorschau aus (ja, soll es darstellen, was sich nach dem Klick zeigt) und auf deiner Tatstatur F11 (was hoffentlich auch bei dir zum Vollbildmodus wechselt) – na, habe ich zu viel versprochen? Ist doch jetzt eine richtig geniale Arbeitsumgebung, stimmt’s?

Nun klärt sich das mit dem Auge, denn der Button sieht jetzt so aus: Vorschau an

Natürlich geht das auch ohne Vollbild und mit sichtbarer Seitenleiste, ist dann nur ziemlich gestaucht. Wenn du schon mal mit einem Markdown-Editor gearbeitet hast, kennst du diese geteilte Ansicht bestimmt und fühlt sich nicht ungewohnt an. Mit der Tastenkombination ALT+P ist die Vorschau schnell hin und her geschaltet. Im Übrigen merkt sich das Wiki den zuletzt eingestellten Modus. Speicherst du einen bearbeiteten Tiddler mit aktivierter Vorschau ab und öffnest irgendeinen anderen Tiddler zum Bearbeiten, ist die zwei-geteilte Ansicht gleich wieder präsent.

Hinweis: Scheinbar funktionieren nicht alle Tastenkombinationen unter allen Bedingungen gleich oder wie erwartet bzw. angegeben und manchmal auch gar nicht oder führen zu unerwarteten Ergebnissen. Das hängt mit verwendetem Betriebssystem und Browser zusammen, aber auch, wo sich gerade der Fokus befindet, was nicht immer ersichtlich ist.

Die Tastenkombination STRG+M soll z.B. markierte Zeichen in sowas hier verwandeln, was dicktengleiche Schrift genannt wird, tut es bei mir aber nicht immer. Wie dem auch sei – Testen!

Das Textfeld … nun ja, hier erwacht letztlich alles zum Leben.

Was sich mit den Feldern unter dem Textfenster anstellen lässt oder wofür man diese ins Spiel bringt, habe ich noch nicht erschlossen. Der Typ steht standardmäßig auf dem standardmäßig zur Anwendung kommenden Tiddler-Format. Für eine Datenbank ähnliche Funktionalität habe ich jedoch gelernt, dass hierfür der Typ auf TiddlyWiki Datenkatalog zu stellen ist, was ich in der Datenzentrale weiter ausführe.

Zur Standard-Formatierung Fett sei kurz erwähnt, weil es nicht eindeutig ist: Die umschließenden Zeichen sind nicht die Tüttelchen auf der Taste 2, wie sie z.B. für wörtliche Rede eingesetzt werden, sondern zwei mal (2x) das einfache Tüttelchen (Apostroph), was auf der #-Taste beheimatet ist.

Eine Sache ist noch wichtig: Den einfachen Zeilenumbruch gibt es nicht. Is’n Ding, wa‘? Willst du eine neue Zeile anfangen, ohne gleich zu einem neuen Absatz zu wechseln, gibt es aber eine Lösung:

Hier kommen nun
die Tüttelchen
von Taste 2
doch noch zum Zug
und zwar gleich 6 Stück,
3 vor dem betreffenden Text
und am Schluss ebenfalls 3.

… und sieht so aus:

"""
Hier kommen nun
die //Tüttelchen//
von Taste 2
doch noch zum Zug
und zwar gleich 6 Stück,
3 ''vor'' dem betreffenden Text
und am ''Schluss'' ebenfalls 3.
"""

Was ich vermisse, ist der sogenannte Schreibmaschinen-Modus. Der bedeutet, dass der Fokus in der vertikalen Mitte des Bildschirms bleibt – also mittig zwischen oberem und unterem Rand. Schreibst du verträumt vor dich hin, kann es passieren, dass dein Geschreibsel unten aus dem sichtbaren Bereich rutscht. Ich kann mir aber vorstellen, dass es mit Web-Techniken schwer umzusetzen ist. Vielleicht bin ich auch zu sehr von meinen bevorzugten Editoren FocusWriter und Geany verwöhnt, die diese Funktionalität bieten. Zudem wäre eine Wort und Buchstaben Zählung hilfreich, gerade für Autor*innen. In der Tat überlege ich diese zu benutzen und den Text hierher zu kopieren, obwohl es nicht ganz im Sinne des Erfinders ist. Mal sehen.

Nein, das Wichtigste, die Verlinkung, habe ich nicht vergessen. Die nehmen wir uns jetzt vor.

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Inhalt

  1. Vorabinformationen – Wissenswertes bevor es Los geht
  2. Erst Kontakt – Die rechte Seitenleiste im Überblick
  3. Erst Kontakt die 2. – Die Reiter in der Seitenleiste
  4. Der Tiddler – Erste Betrachtung des Protagonisten
  5. Werkstatt – Übersicht der Funktionen im Bearbeitungsmodus
  6. Verzahnung – Die Lebensadern eines Wikis
  7. Unter der Haube – Die Einstellung im Detail
  8. Fortgeschritten – Formatierungen, Überschriften, Farben
  9. Fortgeschritten die 2. – Bilder und Tabellen
  10. Fortgeschritten die 3. – Transklusion und favicon
  11. Datenzentrale – Änderungen leicht gemacht
  12. Operationen – Seitenleiste aufmotzen