Johannes Bröckers – »SCHNAUZE, ALEXA!«

»Kennt man«, »weiß ich«, »hab ich schon von gehört«, »wirklich?« Sind die üblichen Reaktionen zu diesem Thema. Stets gefolgt von einem, »aber … « Irgendwie muss man sich schließlich herausreden, dass man zu faul, zu bequem und zu naiv ist. Vor allem kann man es nicht auf sich sitzen lassen, dass man sich zu wenig informiert, zu wenig unternimmt und erst recht nicht zu wenig nachdenkt. Obwohl jeder den im Buch aufgeführten Argumenten zustimmen kann und würde, drehen sie sich um und bestellen ihren nächsten Einkauf beim Zerstörer.

Die Menschen sind mit der Komplexität neoliberalen Auswirkungen komplett überfordert, weshalb sie die Schotten dicht machen. Jeder ist nur um sein Wohl bemüht und das darf natürlich nicht kratzen.

Buchcover: Johannes Bröckers – Schnauze, Alexa!
Buchcover: © liegt bei den jeweiligen Rechteinhabern.

In den ersten 2/3 seiner Mahnschrift führt Bröckers den Ist-Zustand vor Augen. Das, was man durchgängig als bekannt annehmen darf. In dieser geballten Form erhält es aber seine notwendige Eindringlichkeit. Kenner der Materie werden wohl monieren, dass der Autor sich pauschal und grob auf die großen Aufhänger begrenzt. Damit haben sie sicher recht, denn mit dem Monster ließe sich viel dickere Bücher füllen. Allerdings zeigen die Konsumenten, dass sie bereits mit einfachen Warnungen überfordert sind. Es zählt daher, sich ihnen auf simplen Wegen zu nähern.

Richtig spannend wird es im 5. Kapitel, »Die Zukunft war früher auch mal besser«. Hier zeigt Bröckers auf, worauf diese Entwicklung derzeit zusteuert. Denn das Entscheidende ist, dass sich Nutzer über die Folgen ihres Handelns keine Gedanken machen. Es mag daran liegen, dass es ihnen schlichtweg egal ist. Was nicht nur bedauerlich, sondern unendlich traurig ist. Kurios ist, dass niemand die Zukunft will, die wir aber gerade dabei sind zu gestalten.

96 Seiten sind schon nicht viel. Dann ist die Schrift auch noch ziemlich groß, was einem schnellen Lesen entgegenkommt. Vieles wird zwar als »Taschenbuch« bezeichnet, doch dieses Buch erfüllt die Assoziation perfekt. Mit seinen 100 x 160 x 80 mm (BxHxT) ist es kaum größer als ein Smartphone. Worauf ich hinaus will ist, dass nichts dagegen spricht, sich dieser Lektüre zu verweigern. Außer natürlich, man ordnet sich im Volk der drei Affen ein: Nichts hören, nichts sehen und nichts sagen. Für das »nicht denken« ist leider noch kein Symbol etabliert worden, denn längst hat die Dreier-Gruppe Zuwachs bekommen.

Für die Intention, dieses Buch zu schreiben und veröffentlichen, hat sich Johannes Bröckers natürlich die volle Punktzahl verdient. Auch wenn »keep it simple« eine nachvollziehbare Entscheidung ist, fehlt es mir an Schärfe und Nachdrücklichkeit. Die Auswirkungen betreffen und alle, selbst die jetzt schon Verweigerer, weil ihnen die Ausweichmöglichkeiten zunehmend wegbrechen – vom Moloch zerstört werden.

Ich befürchte aber, dass hier sämtliche Abwehrmaßnahmen zu spät kommen und ins Leere laufen. Obwohl die #FridaysForFuture Bewegung inzwischen ein unübersehbares Ausmaß angenommen hat, beißt sie sich an neoliberalen Strukturen die Zähne aus. Wie soll ein Bündnis geschaffen werden, das sich nicht nur gegen neoliberale Macht stellt, sondern der eigenen Bequemlichkeit die Hölle heiß macht? Das wird – leider – nicht passieren. Die schöne neue Welt kommt im Honigmantel daher. Wer will dieser süßen Verführung widerstehen?

Wertung: 8 von 9
Wertung 8 von 9

Verlag: Westend
Seiten: 96
Preis: 7,50 EUR
ISBN: 978-3-86589-251-6

Bitte kauft bei eurem örtlichen Buchhändler oder bestellt über dessen Webseite. Kauft nicht bei Amazon und füttert den asozialen Ausbeuter und Steuerparasiten. Diese Bequemlichkeit hat viel Leid im Schlepptau. Denkt nach!