Michael J. Sullivan – The First Empire

Fantastisch – Fulminant – Fesselnd

Band 1 Rebellion fand seinen Weg auf einem Bücherflohmarkt zu mir. Erwischt man hier eine Niete, schmerzt die Ausgabe nicht so stark. Beim Lesen haderte und nörgelte ich dann auch in einer Tour. Hauptsächlich, weil die Erzählung so vor sich hin plätscherte und wenig passierte. Oberflächlich, denn in Wahrheit hatte mich die Geschichte längst in ihren Bann gezogen. Ich habe nicht mitbekommen, wie klammheimlich sie mich infizierte und ich in ihre Welt eingetaucht war. Und das mir altem Lesefuchs. Alleine dafür gebührt dem Autor eine respektvolle Verbeugung.

Da zeterte ich also so vor mich hin und konnte doch nicht die abendliche Lesezeit abwarten. Endet Band 1 auch nicht mit einem offensichtlichen Cliffhanger, hatten sich eine Reihe offener Fragen angesammelt. Alles deutete auf einen weiteren Band hin. Es bedurfte keiner großen Recherche, um meine Annahme bestätigt zu sehen. Zu meiner Freude erspähte ich, dass Sullivan den Hang zu Triologien erfüllte, wobei der dritte Teil erst im September erscheint. Zeitenfeuer wird die Zeit bis dahin allerdings nicht überbrücken können, denn es ist beim Schreiben dieser Zeilen ausgelesen. Göttertod hatte ich natürlich gleich mit vorbestellt. Die Lücke werde ich hoffentlich mit anderer spannender Lektüre füllen können.

Was macht die Bücher so faszinierend? Ohne inhaltlich zu viel zu verraten, wird das nicht ganz einfach. Ich versuche es mal.

Buchcover von Michael J. Sullivan – The First Empire (Band 1: Rebellion und Band 2: Zeitenfeuer)
Buchcover von mir fotografiert; © liegt bei den jeweiligen Rechteinhabern.

Hauptfaktor ist eindeutig das Setting, also das Gesamtbild aus Charakteren und Umgebung. Alles eingefasst in einen unaufgeregten Erzählstil, der mich zu Beginn trotzdem aufregte, aber eben seine eigene Magie und vor allem magnetischen Kräfte entwickelt. Die Schreibsprache ist überhaupt nicht auf Effekthascherei oder konstruierten Höhepunkte aus. Diese sanfte Erzählweise rollt eine Welt vor einem aus, die man betritt ohne es zu merken. Mittendrin statt nur dabei, wie eine Werbung lautet, trifft es präzise. Oder wie es in der Autorenwelt heißt: Show, don’t tell! Perfekt umgesetzt, Herr Sullivan.

Es gibt verschiedene Völker und Kern des Plots sind die Spannungen untereinander. So weit, so unaufgeregt. Leben kommt natürlich durch die Charaktere und unterschiedlichen Fähigkeiten ins Spiel. Ja, Magie ist Bestandteil, aber wie alles fällt auch sie nicht aus dem Rahmen. In gewisser weise dreht sich zwar viel um die damit verbundene Macht, fügt sich aber nahtlos in das Gesamtgeschehen ein. Diese harmonische Einheit zu formen, zeichnet die Kunst von Michael J. Sullivan aus. (Insider, den versteht, wer die Bücher gelesen hat.) In vortrefflicher Weise erfüllt der Autor die schriftstellerische Anforderung, dass Figuren an ihren Herausforderungen wachsen müssen. Als Leser diese Umsetzung zu verfolgen, ist unglaublich vergnüglich – und als selbst Schreibender enorm lehrreich.

Was immer wieder irritiert, ist eine Neigung des Autors, unerwartete und unpassend anmutende Ausflüge in die Vergangenheit zu unternehmen. Das beißt sich mit meinem zuvor gesagtem? Nur auf den ersten Blick. Die gelieferten Informationen sind durchaus wichtig und interessant, als Leser*in rechnet man in den Momenten nur nicht damit, was allerdings die Spannung erhöht. Aber auch, wenn die Stellen beim Auftauchen ein inneres Knurren hervorrufen, muss Sullivan sie ja irgendwie unterbringen. Und im Nachgang kann ich ruhigen Gewissens verkünden, dass trotzdem alles passt.

Um nicht einen falschen Eindruck zu erzeugen, selbstverständlich passiert viel, sehr viel sogar, zudem manch richtig bewegendes und bedeutungsvolles Ereignis. Teilweise ist die Handlung auf drei Schauplätze verteilt, die ihre eigene Dynamik erzeugen. Aber, und damit hebt sich Sullivan zusätzlich hervor, zu keinem Zeitpunkt fühlt man sich als Leser überfordert. Weder kommt man bei den Figuren durcheinander, noch trifft man auf einen hakenden Ablauf. Es wird damit zusammenhängen, in der Geschichte präsent zu sein und nicht einfach eine Geschichte zu betrachten.

In Fantasy Romanen sind Karten der fiktiven Welten fast schon erwartete Pflicht. Hier gibt es keine. Zu Beginn hätte ich mir eine gewünscht, bin jetzt aber froh, dass keine vorhanden ist. Die Welt des Geschehens ist zwar groß, aber doch recht übersichtlich. Aufgrund der erwähnten Erzählkunst Sullivans entsteht diese problemlos im Kopf des Lesers. Ich halte es sogar für förderlich, dass keine Vorgabe die eigene Fantasie einschränkt. Das Abtauchen in diese unbekannte Welt gelingt besser und nahezu spielerisch.

Für meine Verhältnisse bin ich durch Band 2 geradezu geflogen und habe ihn regelrecht inhaliert. Bei einer Gegebenheit erwischte Sullivan meine sentimentale Ader, die zu nahe am Wasser vorbei läuft. Was er da veranstaltete, nahm ich ihm bis zum Schluss übel und ich hoffe, das bügelt er im dritten Teil wieder glatt.

Sehr angetan war ich von der Erzählperspektive. Auktorial, also ein Allwissender Erzähler, aber mit sehr persönlichen Sichtweisen. Ich kann mich nicht erinnern auf ähnliches schon mal getroffen zu sein. Vielleicht liegt hier der eigentliche Zauber, wer weiß 🙂

Neben der The First Empire Trilogie existiert der vier bändige Riyria Zyklus von Michael J. Sullivan. Ich orakel mal, dass mir der Autor noch vor September wieder begegnen wird 😉

Anmerkung: Nach Göttertod werde ich diese Rezension ergänzen, aber ich wollte nicht so lange warten. Vielleicht kann ich bis dahin noch neugierige Bücherwürmer mit meiner Begeisterung anstecken 🙂

Wertung: 8 von 9
Wertung 8 von 9

Band 1 – Rebellion
Verlag: Knaur
Seiten: 528
Preis: 9,99 EUR
ISBN: 978-3-426-52033-8

Band 2 – Zeitenfeuer
Verlag: Knaur
Seiten: 624
Preis: 9,99 EUR
ISBN: 978-3-426-52034-5

Band 3 – Göttertod (erscheint Sep. 2019)
Verlag: Knaur
Seiten: 624
Preis: 9,99 EUR
ISBN: 978-3-426-52035-2

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