Warum TiddlyWiki?

Meine Motivation zur Erstellung dieser umfangreichen Wikis und die Beschäftigung überhaupt mit dieser Technik, ist letztlich auf einen kurzen Nenner zu bringen: es passt einfach.

Natürlich habe ich alle Softwareprogramme, die es für Autoren gibt, ausgiebig getestet. Zweifellos ist der teuerste Vertreter dieser Gattung Papyrus atemberaubend umfangreich ausgestattet, was einen ebenso schwierigen Einstieg mit zäher Lernkurve bedeutet.

Am weitesten verbreitet ist das bezahlbare Scivener, welches nur oberflächlich einen simplen Eindruck macht. Das Konzept offenbart aber logische Schwächen, weshalb die Lernphase ebenfalls hoch ist. Die Arbeit damit ist nicht sonderlich intuitiv.

Weniger bekannt ist Patchwork, was der Qualität des Programms nicht gerecht wird. Preislich zwischen Papyrus und Scrivener liegend, bietet es einen geradezu erschlagenden Umfang. Dieser, in Verbindung mit der etwas hausbackenen Umsetzung, erfordert viel Geduld und Leidensfähigkeit, bis es zum unersetzlichen Begleiter gediegen ist.

Komplett unterschätzt wird das kostenlose yWriter, das alles an Bord hat, was es zum Schreiben eines Romans braucht. Es ist einfach, übersichtlich und leistungsfähig. Einzige Einschränkungen sind die, außerhalb englischer Sprachräume, nicht vorhandene Rechtschreibkorrekturen und das nicht komfortable Schreibfenster. Aber keine Scheu, das Programm selber kommt auch in einem deutschsprachigen Kleid daher. Aufgrund der schnell erzielbaren Erfolge bereitet das Arbeiten mit dieser Software viel Vergnügen. Wer es noch nicht kennt, testen! Kann ich nur empfehlen.

Mein Wechsel zu Linux machte dann alles bisherige obsolet. Zwar existieren hier drei Programme, die sich an Autor*innen richten, können aber nicht mit den vorgenannten mithalten. Der Vollständigkeit halber seien sie erwähnt: Plume Creator und Manuskript stehen kostenfrei zur Auswahl, während Writer’s Café eine Investition erfordert. Manuskript scheint eine Weiterentwicklung von Plume zu sein.

Wirklich beeindruckend ist bibisco, welches nicht nur für alle Betriebssysteme verfügbar ist, sondern auch in einer kostenfreien Version. Selbst bei der Bezahlversion kann man aussuchen, wie viel einem die Software wert ist. Basierte es früher auf Java, baut es nun auf einen Python Unterbau. Mit diesem Programm zu arbeiten unterscheidet sich von allen bisher vorgestellten deutlich. Um nicht zu sagen komplett. Allerdings sind Aufbau und Inhalte aus Sicht eines Autors gedacht und ermöglichen einen kinderleichten Einstieg. Die ganze Logik dahinter verleitet zur intensiven Beschäftigung mit seinen Ideen. Für die Art seiner Anwendung ist es ungemein hilfreich, dass eine deutschsprachige Version angeboten wird. Hierhin sollte jede*r mal einen oder zwei Blicke riskieren. Es besteht allerdings die Gefahr sich zu verlieben.

Ich habe mich mit allen Programmen auseinandergesetzt, weil mir durchaus klar war, dass spezialisierte Software hilfreiche Unterstützung bot. Vielleicht schwingt beim Einsatz solcher Programme auch ein klein wenig Hoffnung mit, sie mögen einem lästige Arbeit abnehmen oder am besten die Ideen im Kopf gleich in Bestseller verwandeln. Ist natürlich Kokolores, kann aber zu Frust und Enttäuschung führen. Unabhängig davon sind die Programme nützliche Begleiter im Schreibprozess und die meisten Autor*innen schwören auf ihren Favoriten.

Trotz aller Vorzüge haderte ich mit den Programmen. Jedes band einen an sich und schloss einen in seinem Universum ein. Einige sind zwar auf mehreren Betriebssystemplattformen anzutreffen, arbeiten aber weitestgehend proprietär. Es ist diese Abhängigkeit, die mich abstößt.

Die Kolosse Word oder Writer, die tatsächlich vielfach Verwendung finden, kamen für mich nie in Frage. Den Microsoft Mist unterstütze ich sowieso nicht und bevor das aufgeblähte LibreOffice gestartet ist, sind die ersten Ideen längst wieder verflogen.

Mit schlichten Text-Dateien zu arbeiten, mutet schmucklos, trostlos und Staub trocken an. Stimmt, aber wie viel ist in einem Belletristik-Buch schon hübsch formatiert? Nichts, außer den Kapitelüberschriften. Ja, manche Autor*innen lassen gedankliche Rede kursiv darstellen. Doch im Großen und Ganzes war es das. Kinder- und Sachbücher sind was anderes und stehen hier nicht zur Betrachtung.

Alles zu einer Geschichte kann mit simplen Text-Dateien erledigt werden. Letztlich ist es in den Spezial-Programmen nichts anderes. Diese bieten nur etwas Komfort und Hilfe bei der Erfassung, sowie bei der Bereitstellung und Verknüpfung der Daten.

Sogenannte Outline-Software wie z.B. CueCards oder CherryTree kommen als Zwitter daher, weil sie darauf ausgerichtet sind Strukturen anzubieten. Sie helfen dabei die Übersicht zu wahren. Da sie aber zumeist proprietär arbeiten, kommen sie nicht infrage. Im Übrigen ist diese Herkunft Scrivener immer noch anzusehen, betrachtet man den Verzeichnisbaum, um den sich alles dreht – nur alles sehr viel weiter entwickelt. Einzig Zim-Desktop erstellt einfache Text-Dateien, die es im Kopfbereich mit notwendigen Informationen ergänzt. Grundsätzlich wäre dies das einzige Programm, welches größtmöglichen Freiraum bietet. Der komplette Namen des Programms lautet nicht umsonst Zim Desktop Wiki. Ich hatte es schon in der Mache, konnte mich bisher aber nicht anfreunden. Wahrscheinlich hatte ich das Wiki-Konzept da noch nicht richtig begriffen, wie es sich mir erst mit TiddlyWiki erschlossen hat. Vielleicht schaue ich mir das Ding noch mal an, obwohl mir dieses ständige Ausprobieren langsam auf die Nerven geht. (Nachtrag: Zim wurde zuletzt 2012 aktualisiert und bleibt daher in seiner Mottenkammer.)

Nach all der ganzen Testerei hatte ich beschlossen genau so weiter zu arbeiten, wie ich es bereits die ganze Zeit tat – mit simplen Text-Dateien und entsprechenden Projekt bezogenen Verzeichnisstrukturen. Ein Muster war angelegt und die ersten Vorlagen ausgearbeitet.

Dann kreuzte TiddlyWiki meinen Weg. Früher und immer wieder mal hatte ich mich mit Wikis beschäftigt, aber nie einen Draht dazu gefunden. Scheinbar wurde oder war irgendwo ein Schalter umgelegt, der mich erkennen ließ, wie sich hiermit alle meine Wünsche erfüllen ließen. Natürlich lagern alle Texte in dieser einen html-Datei, aber wenn es ganz Dicke kommt, lassen sie sich notfalls extrahieren.

Viel wichtiger aber sind die angebotenen Werkzeuge, bei gleichzeitig völliger Freiheit diese einzusetzen und vor allem nach eigenen Bedürfnissen zu formen. Die gebotenen Möglichkeiten können sowohl Plotterern, als auch Pantsern hilfreich zur Seite stehen. Erst Recht, wenn jemand Nettes umfangreiche Vorlagen erarbeitet und zur Verfügung stellt.

Vom Start weg war ich Feuer und Flamme. Geradezu angespornt tauche ich immer Tiefer in die Systematik ein. Nicht theoretisch oder Larifari nebenbei, sondern handfest. Wer mir prophezeit hätte, ich würde mal eine Anleitung schreiben, hätte ich geantwortet, dass eher der Papst heiraten würde. Tja, so kann man sich Täuschen … also nicht beim Papst 😉

So verlief mein Weg zu TiddlyWiki. Ob sich meine Begeisterung überträgt, kann ich nicht bestimmen, aber alles dafür unternehmen, um den Funken überspringen zu lassen.